Interview mit Lydia Krüger

von | 31.05.2016 | Interview, Projekt | 0 Kommentare

Kämpfst du noch oder kümmerst du dich schon um deine eigentliche Arbeit?

Als ich über Sven Franke von AUGENHÖHNEcommunity via Facebook auf das Crowdfunding-Projekt „Kampf der Abteilungen“ aufmerksam gemacht wurde, war ich sofort neugierig: Wer und was steckt genau dahinter? Gefragt, getan.

Was ich dort las, überzeugte mich: Ein satirisches Spiel, das den täglichen Büro-Wahnsinn in Behörden, Konzernen und Unternehmen ohne flache Hierarchien mit bissigen Sprüchen entlarvt und dabei Lacher garantiert. Kann das funktionieren?

Ja, es kann.

IMG_984832 Spielkarten mit extra für das Quartett entworfenen Comic-Charakteren – von nutzlos über peinlich bis gefährlich – und bissigen Texten sind Grundlage für drei ganz besondere Spielvarianten: klassisch, K.O- oder Meeting-Variante. Spielautorin Lydia Krüger schreibt über den Inhalt:

„[…] Es geht zu wie im richtigen Leben: Finanzchef Thorsten Thaler verzweifelt an den Zahlen, Personalberaterin Pia Pöse hält sich mühsam die Kollegen vom Leib und IT-ler Martin Molch hat schon lange keine Sonne mehr gesehen. Einzig Vorstand James Lost hat den Durchblick. Oder?? […]“

Das Crowdfunding war erfolgreich und Lydia Krüger, selbst jahrelang Angestellte und Führungskraft, außerdem Journalistin, PR-Beraterin, Bloggerin, gründete damit ihr Startup FONSKI Games + Gifts. „Kampf der Abteilungen“ ist das erste Spiel des Unternehmens. Ich wollte unbedingt mehr über die Gründerin und das Quartett erfahren. Also kontaktierte ich sie. Die Idee zu diesem Interview entstand.  

INTERVIEW

Lydia Krüger / Foto: Nils Hasenau

Liebe Lydia, als ich von „Kampf der Abteilungen“ erfuhr, dachte ich mir, „Wow, die Frau versteht ihr Handwerk, nimmt kein Blatt vor den Mund und traut sich was“. Was genau hat dich bewogen, dieses bissige Kartenspiel im Eigenverlag auf den Markt zu bringen?   

Ich war frustriert im Job und wusste nicht, wohin mit all dem Frust. Dann dachte ich mir, ich muss das irgendwie in eine Form bringen, etwas Positives daraus machen, etwas kreieren. Zuerst habe ich ein Brettspiel für eine Kollegin entwickelt, das in einer Firma spielt. Und da das so einen Spaß gemacht hat, habe ich mich später mit dem Fonski Verlag selbstständig gemacht. Mittlerweile gibt es auch schon weitere Produkte: die Buzzword-Bingos, die man in langweiligen Meetings spielen kann.

 

Was hat dir am meisten Spaß gemacht, als du die Spielkarten für „Kampf der Abteilungen“ entwickelt hast?

Eigentlich alles. Das ist ja das Tolle. Es ist ein bisschen wie ein Theaterstück entwickeln: die Figuren konzipieren, die Texte schreiben, Kategorien und Punkte vergeben, testen, ob alles so funktioniert wie gedacht. Dann mit dem Grafiker das Design von Karten und Verpackung abstimmen, Texte lektorieren, Preise kalkulieren. Aber der Höhepunkt war natürlich, als der Zeichner die ersten Entwürfe der Figuren rübergeschickt hat. Die sind so lebensecht geworden, dass ich manchmal von ihnen träume…

Eine Firma als Spiel: Was waren während der Entwicklungsphase des Kartenspiels die größten Herausforderungen?

Ich habe mit meinem Perfektionismus gekämpft. Man kann ja an so etwas ewig weiter herumbasteln. Irgendwann musste ich mich dann entscheiden: So, das ist es jetzt. So geht es in den Druck.

Karte D3 Jürgen Jausemann

Welcher der satirischen Charaktere ist denn dein ganz persönlicher Favorit und welche der Spielvarianten spielst du am liebsten?

Ich mag am liebsten Jürgen Jausemann, den Vertriebler. Wenn ich den angucke, habe ich direkt 2-3 ehemalige Kollegen im Kopf.  Am liebsten spiele ich die Spielvariante „Meeting“, wo zwei Kollegen gegeneinander antreten. Da kann man schön diskutieren, wer die stärkere Geheimwaffe hat oder den cooleren Spitznamen.

 

 

 

Inwiefern kann deiner Meinung nach dein Spiel vielleicht dazu beitragen, „das Spiel“ in den Büros zu drehen und sogar Muster zu brechen?

Ich denke, es ist wichtig, dass man über sich selbst und das „System“ (also die hierarchische Organisation) lachen kann. Ich möchte den Leuten, die kritisch sind und in ihrer Organisation Dinge hinterfragen, zeigen, dass sie nicht allein sind. Dafür steht das Spiel. Außerdem macht es einfach Spaß zu spielen. Das tun wir viel zu selten. Als Erwachsene haben wir gelernt, Dinge nur noch für einen Zweck zu tun. So ein Spiel hat keinen Zweck, außer Spaß zu machen. Das finde ich schön.

LIEBLINGSSPIELORTE

Wo hast du als Kind am liebsten gespielt?

Sehr viel draußen, Räuber und Gendarm, Hütten bauen und so. Ich bin auch gern durch die Straßen Berlins gestreift und habe mir magische Orte angeschaut wie das alte Umspannwerk in der Kopenhagener Straße. Ausflüge ans Wasser mochte ich auch immer gern und Bootsfahrten.

Und wo(mit) spielst du aktuell am liebsten?

Ich mag klassische Spiele: Maumau/Uno, Rommee, Solitaire, Offiziersskat. Auch Scrabble, Tabu und Trivial Pursuit. Und als ich einmal in Gambia war, habe ich festgestellt, dass die Gambier leidenschaftliche Mensch-ärger-Dich-nicht-Spieler sind. Die spielen das in einem mordsmäßigen Tempo! Am Anfang kam ich gar nicht hinterher, aber dann haben wir jeden Abend zusammen gezockt. Neulich habe ich auch mal wieder Monopoly gespielt: ganz schön übel eigentlich, da wird ja nur Raffgier belohnt. Das ist mir früher gar nicht so aufgefallen.

Liebe Lydia, vielen Dank für das Gespräch. Ein neues Spiel muss bekanntlich originell sein. Und das ist dir in der Tat sehr gut gelungen. Auch aus eigenem Erleben kann ich bestätigen, was offenbar auch deine Erfahrung ist: Hierarchische Strukturen bilden fast zwangsläufig bestimmte „absurde“ Charaktere und Verhaltensweisen heraus. Ich bin mir sicher, dass diejenigen, die sich wirklich auf das Spiel einlassen, in der Tat viel Spaß haben werden. Für deinen Blog über die menschliche Seite der Arbeit wünsche ich dir alles Gute und freue mich schon jetzt auf weitere umgesetzte Ideen aus deinem Verlag!  Alles Gute für dich!

Fotonachweis

Foto von Lydia Krüger: Nils Hasenau

Sonstiges Fotos: Lydia Krüger

LINKS

www.fonski.de

www.bueronymus.de

 

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Hinweise

 

Mir ist es wichtig, dass das Persönlichkeitsrecht Einzelner nicht verletzt wird. Insofern sollten auf deinem Foto außer dir andere Menschen nur von weitem zu sehen sein.

Denn nach dem so genannten "Bildnisrecht" ist es zwar erlaubt, Personen als "Beiwerk" einer Landschaft oder einer sonstigen Örtlichkeit (also z. B. auch eines Spielplatzes) abzulichten.

Um das Persönlichkeitsrecht Einzelner nicht zu verletzen, ist es also wichtig, dass du nicht "gezielt" fremde Menschen (Großaufnahme) fotografierst. Menschen aus der Ferne sind okay, solange sie nicht zu erkennen sind. Ausführlich nachzulesen ist diese gesetzliche Regelung im deutschen Kunsturhebergesetz, hier vor allem §22 + §23 KUG.

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