Spielplatztermin in Bonn

von | 30.09.2016 | Bericht, STARTSEITE | 0 Kommentare

Interkommunaler Austausch auf Augenhöhe

Der 12. April diesen Jahres war ein strahlender Frühlingstag. Ich machte mich auf in die Bundesstadt Bonn, die als zweites politisches Zentrum unseres Landes und Sitz von Ministerien einfach keine Stadt „wie jede andere“ ist. Grund für meinen Ausflug war eine Einladung von Bernd Grießbach vom Amt für Kinder, Jugend und Familie im Bereich Jugendhilfeplanung, Andrea Koors, Kinder- und Jugendbeauftragte und David Baier, Abteilungsleiter vom Amt für Stadtgrün, eine Rundreise zu gemeinsamen Spielraumprojekten zu unternehmen.

Als Treffpunkt vereinbarten wir das Stadthaus, ein 72 m hohes Gebäude am Berliner Platz an der südlichen Grenze der Nordstadt, seit 1978 der Sitz der städtischen Verwaltung. Dieser große Bürokomplex war notwendig geworden, nachdem die ehemals selbstständigen Städte Beuel und Bad Godesberg sowie das Amt Duisdorf 1969 nach Bonn eingemeindet wurden. Denn dadurch erhöhte sich der Bedarf an Büroräumen für die Stadtverwaltung.  

Stadthaus Bonn

Stadthaus Bonn

Kurz nach meinem Eintreffen kam auch schon Herr Grießbach. Ich hatte ihn das letzte Mal gesehen, als ich 2013 zusammen mit den Kinder-Spielplatzpaten der GGS Herrenhauser Straße und Sozialarbeiterin Beate Zimmer aus Mettmann bei einer Fachtagung der NRW-weiten Koordinator*innen von Spielplatzpatenprojekten vom ABA Fachverband nach Bonn eingeladen war.

Er begrüßte mich herzlich und wir kamen sofort ins Erzählen über die Stadt Bonn, die Wichtigkeit von Frei- und Spielflächen für Kinder, von bürgerschaftlichem Engagement und und und…

Tja, und dann staunte ich nicht schlecht, als vier – und nicht wie meinerseits erwartet zwei weitere – Mitarbeiter*innen der Bonner Stadtverwaltung dazukamen. Was für ein Empfang! Meine Neugierde auf Bonner Spielplätze und auf die in der Stadtverwaltung verantwortlichen Akteure wuchs.

v. links: Andrea Koors / Kinder- und Jugendbeauftragte, Bernd Grießbach / Amt für Kinder, Jugend und Familie im Bereich Jugendhilfe-planung, David Baier / Abteilungsleitung Amt für Stadtgrün, Ingenieurin Kirstin Sump, oben: Cornelia Zimmer / Referendariat der Landespflege / Assessorin

v. links: Andrea Koors / Kinder- und Jugendbeauftragte, Bernd Grießbach / Amt für Kinder, Jugend und Familie im Bereich Jugendhilfeplanung, David Baier / Abteilungsleitung Amt für Stadtgrün, Ingenieurin Kirstin Sump, oben: Cornelia Zimmer / Referendariat der Landespflege / Assessorin

In den folgenden kurzweiligen Stunden sollte ich die Gelegenheit haben, mehrere Spielplatzprojekte in unterschiedlichen Stadtteilen kennenzulernen und Einblicke in die jeweiligen gemeinschaftlichen Planungen und Beteiligungsprozesse zu erhalten.  

Gut gelaunt brachen wir auf.

Gleich an der ersten Station, auf dem Spielplatz an der Maxstraße in der Bonner Altstadt, fiel mir das Spielplatzpatenschild ins Auge. Eine, so finde ich, zum einen informative Geste für die Spielplatznutzer*innen und gleichzeitig wertschätzend für die engagierten Pat*innen.

Ein Schild, das mich als Spielplatzpatin natürlich freut :o)

Ein Schild, das mich als Spielplatzpatin natürlich freut :o)

Zu Beginn erwähnten die städtischen Ansprechpartner*innen das s. g. Spielflächenkonzept der Stadt Bonn, welches am 15. September 2015 beschlossen wurde. Es entstand in enger Zusammenarbeit des Amtes für Kinder, Jugend und Familie und des Amtes für Stadtgrün und beschreibt die pädagogischen, gestalterischen, technischen und organisatorischen Aspekte der Spielflächen im öffentlichen Raum.

WOW – so etwas haben wir in Mettmann nicht! Und, was mich besonders begeisterte:  Die s. g. „Spielleitplanung“ ist ein Baustein im Spielflächenkonzept.

spielleitplanung_foto

Quelle: www.schelhorn-landschaftsarchitektur.de

 

Für alle, die sich nicht so auskennen, habe ich eine tolle Erklärung für das sperrige Wort „Spielleitplanung“ für Kinder gefunden, die auch Erwachsene gut verstehen :o):

SPIELLEITPLANUNG: Bei der Spielleitplanung wird die ganze Stadt oder Gemeinde als möglicher Spiel-, Erlebnis- und Aufenthaltsraum betrachtet. Alle Plätze, auf denen sich Kinder und Jugendlichen aufhalten, werden erfasst und bewertet. Das können Brachen, Siedlungsränder, Straßen, Grünanlagen oder Bushaltestellen sein. Anschließend wird mit den Ideen der Kinder und Jugendlichen der Spielleitplan erstellt. Sobald er vom Gemeinderat oder Stadtrat für verbindlich erklärt wird, werden die Ideen Schritt für Schritt umgesetzt. Wie das ganz praktisch funktioniert, steht im Internet: www.spielleitplanung.de

 

Quelle: Stadt-Abc in dem Buch „Entdecke deine Stadt“ von Anke M. Leitzgen und Lisa Rienermann für Kinder (Seite 147), BELTZ & Gelberg Verlag, 2011

Also, die Interessen von Kindern und Jugendlichen systematisch in den Vordergrund stellen und miteinbeziehen? Das ist auch mein Anspruch! Als frisch gebackene Moderatorin für Kinder- und Jugendbeteiligung wollte ich noch mehr wissen und hakte nach:
Je nach Projekt finden unterschiedliche Beteiligungsverfahren statt. So erkunden Kinder und Jugendliche z. B. ihre Umgebung in Streifzügen und bewerten das, was sie vorfinden. Anschließend machen sie eigene Vorschläge in Form von Zeichnungen und Modellen. Über längere Zeiträume werden regelmäßig Gespräche mit Stadtplanern und Landschaftsarchitekten geführt. Die Kinder und Jugendlichen stellen Ergebnisse selbst in einer Stadtteilkonferenz vor. Sie können sich an Mitmachtagen an der Umsetzung der baulichen Maßnahmen auf den Spielplätzen beteiligen. Aber es gibt auch Anwohner- und Spielplatznutzerbefragungen, Schüler- und Jugendbefragungen und Zukunftswerkstätten. Kurzum: Der Aspekt der Beteiligung nimmt also einen wesentlichen Schwerpunkt bei Neu- und Umgestaltungen von Spielflächen ein. Interessant.

Zudem hat die Stadt Bonn offenbar erkannt, dass die Eigeninitiative der Bürger*innen eine ganz wichtige Ressource spielt. Die Bürgerschaft selbst wird als Projektentwickler innerhalb der Stadtentwicklung aktiv – auch bei der Gestaltung und Nutzung von Spielflächen.

Spielplatz Maxstraße in der Bonner Altstadt

Spielplatz Maxstraße in der Bonner Altstadt

 

Der „Gartenspielplatz“ Maxstraße in der Bonner Altstadt wird beispielsweise nach der Fertigstellung die Möglichkeit eröffnen, Urban Gardening in Kooperation mit der Querwaldein Gärtnerinitiative und Spielen miteinander zu kombinieren.

Wir stiegen ins Auto und fuhren zur zweiten Station unserer Tour: Zur Freifläche am Spielhaus KBE-Dreieck in Neu-Tannenbusch im Bonner Norden.

Verschiedenste Spielmöglichkeiten auf der Freifläche am Spielhaus KBE-Dreieck

Verschiedenste Spielmöglichkeiten auf der Freifläche am Spielhaus KBE-Dreieck

 

Dort wurden die Ergebnisse aus einer Zukunftswerkstatt bei der Neugestaltung dieser Freifläche, ein Spielplatz auf einer „Insel“ zwischen zwei Gleisanlagen, berücksichtigt.   

Das Spielgelände KBE-Dreieck ist ein Leuchtturmprojekt im Förderprogramm Soziale Stadt Neu-Tannenbusch. Zentrales Ziel der Sozialen Stadt ist es, die Bewohner*innen Vereine, Unternehmen und Non-Profit-Organisationen vor Ort zu aktivieren und einzubinden. Es ging darum, gemeinsam zu planen und handeln, bürgerschaftliche Aktivitäten anzuregen, transparent zu handeln, Kooperationen und Netzwerke weiter zu entwickeln und voneinander zu lernen.

Die städtischen Ansprechpartner*innen waren sich einig: Das Gelände ist so, wie es jetzt ist, optimal für diese „Spielinsel“. Endlich können Kinder und Jugendliche auf diesem Gelände wieder angstfrei spielen und sich wohlfühlen. Im Vorfeld der Sanierung standen nämlich umfangreiche Rodungen an, denn die beteiligten Kinder und Jugendlichen aus Tannenbusch gaben an, sie wollten unbedingt die dunklen Ecken und „Angsträume“ verschwinden lassen.

Kletter- und Schaukelkombination

Kletter- und Schaukelkombination

 

Für die älteren Kinder wurde eine große Spielskulptur aufgestellt, welche Gelegenheit zu anspruchsvollem Klettern, Hangeln und Balancieren bietet. Auch sonst hat das Gelände eine hohe Aufenthaltsqualität und lädt die Anwohner*innen zum Verweilen ein.

Dann ging’s zur vorletzten Station, zum „Spielplatz Am Sonnenberg“, dem s. g. „Prärie-Spielplatz“, ein Themenspielplatz im Ortsteil Küdinghoven.

Prärie-Spielplatz mit „Baumhaus“

Prärie-Spielplatz mit „Baumhaus“

 

34 Kinder der Ennertschule und des Kindergartens Pützchensweg hatten im Rahmen einer Zukunftswerkstatt Kreativität bewiesen und Ideen für die Planung dieses  Platzes eingebracht. Bei der Gesamtgestaltung dieses Platzes war wichtig, dass das Spielen für Kinder und (Groß-)Eltern nicht nur auf den individuell gestalteten Geräten stattfinden kann, sondern auch, dass das abwechslungsreich modellierte Gelände zu Bewegungen aller Art anregt.

Prärie-Spielplatz mit modelliertem Gelände

Prärie-Spielplatz mit modelliertem Gelände

 

Das aus der Kinderbeteiligung abgeleitete Thema „Prärie“ findet sich sowohl in der Gesamtgestaltung als auch in einigen Details, wie zum Beispiel den Spielskulpturen „Kaktus“ oder auch den „Erdhörnchen“ seitlich der Rutsche wieder.

Die letzte Station meines Ortstermins war ein Besuch auf dem Spielplatz Argelanderstraße. Das Motto dort lautet  „Grün“.

Spielplatz Argelanderstraße

Spielplatz Argelanderstraße

 

Dieser Platz soll Treffpunkt für die Kinder und Erwachsenen aus dem Viertel sein. Die Spielgeräte sind aus Holz. Eine Natursteinpflasterwelle durchzieht den Platz. Eine Besonderheit des sanierten Spielplatzes ist, dass alte Materialien und Spielgeräte „recycelt“ wurden. So finden sich beispielsweise Kalksteinblöcke aus dem Siemenshaus als Einfassung für den Sandspielbereich und als Sitzelemente wieder. Die neu gestalteten Wege bestehen aus altem Straßenpflaster aus Grauwacke und Basalt.

Aufgearbeitete Schaukel auf dem Spielplatz

Aufgearbeitete Schaukel auf dem Spielplatz

 

Die alte Schaukel wurde von der Stadt Bonn aufgearbeitet und erstrahlt wieder in neuem Glanz.

Tja, und dann war es an der Zeit für mich, zurück nach Mettmann zu fahren.

MEIN GANZ PERSÖNLICHES FAZIT:

Ich habe eine große Offenheit bei den städtischen Ansprechpartner*innen erfahren und gespürt, dass sie wirklich gemeinschaftlich mit kleinen und großen Akteuren aus der Zivilgesellschaft und der Politik die Spielflächen in Bonn weiterentwickeln möchten. Alle Beteiligten haben schon längst verstanden, dass der bespielbare Raum in ihrer Stadt viel weitergeht als nur über die eine Betrachtung der Spielplätze an sich. Die politische Grundlage dafür bildet das verabschiedete Spielflächenkonzept, welches u. a. eine Attraktivitätssteigerung durch Spielplätze mit besonderem Naturerlebnis vorsieht.

Mit der Absegnung des Konzeptes durch den Rat hat sich die Verwaltung einen wichtigen Auftrag abgeholt und ist handlungsfähig. In den nächsten Jahren geht es nun darum, das Konzept weiter mit Leben zu füllen. Dies ist eine herausfordernde gesamtstädtische Aufgabe für alle Akteure, nicht zuletzt auch aufgrund der Kassenlage. Zu meiner großen Freude bildet die Partizipation von Spielplatznutzer*innen einen großen Schwerpunkt. Sie dient dazu, Identifikation für die jeweiligen Flächen herbeizuführen, Vandalismus vorzubeugen und Spielplatznutzer*innen einzuladen, Verantwortung für die Plätze zu übernehmen.

Ein herzliches Dankeschön für diesen interessanten Einblick an die städtischen Ansprechpartner der Stadt Bonn!

LINKS

Spielflächenkonzept der Stadt Bonn

Spielleitplanung

 

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Hinweise

 

Mir ist es wichtig, dass das Persönlichkeitsrecht Einzelner nicht verletzt wird. Insofern sollten auf deinem Foto außer dir andere Menschen nur von weitem zu sehen sein.

Denn nach dem so genannten "Bildnisrecht" ist es zwar erlaubt, Personen als "Beiwerk" einer Landschaft oder einer sonstigen Örtlichkeit (also z. B. auch eines Spielplatzes) abzulichten.

Um das Persönlichkeitsrecht Einzelner nicht zu verletzen, ist es also wichtig, dass du nicht "gezielt" fremde Menschen (Großaufnahme) fotografierst. Menschen aus der Ferne sind okay, solange sie nicht zu erkennen sind. Ausführlich nachzulesen ist diese gesetzliche Regelung im deutschen Kunsturhebergesetz, hier vor allem §22 + §23 KUG.

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